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Die besten Bücher für, aus und über Australien

Ich suche vor jedem Auslandsaufenthalt Reiselektüren, die etwas mit dem Reiseland zu tun haben. Bei meinem einjährigen Australien-Abenteuer, auf langen Zugreisen, an einsamen Stränden und in langweiligen Outback-Hostels, hatte ich reichlich Zeit, haufenweise Bücher über Australien zu lesen. Manche haben mir geholfen, etwas über Australien, das Land, die Leute und die Geschichte zu lernen, andere haben ein kleines Licht auf einen noch unerforschten Winkel der australischen Seele geworfen, wieder andere waren nicht besonders australisch, außer dass sich ihre Handlung zufällig an Orten abspielte, deren Namen ich auf der Landkarte wiederfinden konnte. Viele waren unterhaltsam, aufschlussreich oder schier überwältigend schön, andere so schlecht oder langweilig, dass ich mich jetzt schon nicht mehr an ihre Titel erinnern kann (an manche gute Titel kann ich mich leider auch nicht mehr erinnern, aber wenn sie mir wieder einfallen, trage ich sie nach).

Diese Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, sondern reflektiert persönliche  Favoriten, die ich tatsächlich gelesen hab. Die eingebauten Links führen alle (über meinen Affiliate-Account) zu Amazon, aber Du kannst die Bücher natürlich auch beim Buchhändler Deines Vertrauens kaufen. Ich selbst habe die wenigsten Bücher auf dieser Liste neu erworben und noch weniger sind heute noch in meinem Besitz. Wie es sich für eine gute Weltreisende gehört, habe ich sie in Second Hand- und Charity-Shops oder auf Tauschregalen gefunden, sie von Mitreisenden geschenkt bekommen – und in diesen höchst nachhaltigen Zyklus sind die ausgelesenen Bücher auch wieder zurück gewandert.

Falls Du ein tolles Buch über Australien kennst, das hier fehlt, dann freue ich mich über weitere Lesetipps… für die nächste Australienreise.

Die besten Bücher über Australien, die ich in Australien gelesen habe:

Bill Bryson, Down Under oder Frühstück mit Kängurus: Die Meinungen über den Autor gehen zwar auseinander – und seine Bücher sind bestimmt nicht Nobelpreis-verdächtig – aber er beherrscht nun mal den Markt für ironisch-humorvolle Reiseliteratur. Dieser Bestseller über eine Australien-Reise ist mir unterwegs immer wieder begegnet und auch wenn die meisten Leser offenbar das Gefühl hatten, sich für die anspruchslose Lektüre rechtfertigen zu müssen, war die Ausrede immer die gleiche: Down Under ist einfach wahnsinnig lustig. Zugegeben, der Humor beruht im Großen und Ganzen auf schamlosem Breittreten sämtlicher Australien-Klischees, aber um die zu entkräften bleibt vor Ort noch genug Zeit. Vorab verkürzt einem Herr Bryson mit Pointen im Akkord die lange Anreise (ich habe das Buch im Flieger gelesen). Dabei lernt man sogar auch ein paar nützliche Fakten, gut versteckt zwischen den ganzen Klischees, die man dann klugscheißerisch weitergeben kann.
Gut für: Lange Reisen, kurze Aufmerksamkeitsspannen

Tim Winton, Breath oder Atem:
Der großartige Tim Winton war in Australien meine literarische Entdeckung des Jahres. Er ist der einzige Autor in dieser Runde, den ich uneingeschränkt auch jedem empfehle, der nicht das leiseste Interesse an Australien hat. Begegnet ist mir sein Werk zuerst nicht in gedruckter Form, sondern durch die Verfilmung seiner Kurzgeschichten-Sammlung The Turning (Trailer siehe unten). An einem schwülen Abend in Darwin hatte ich Lust auf Open Air Kino und mir war herzlich wurscht, was dort lief. Die eindringlichen Bilder und unspektakulären aber bewegenden Geschichten der Protagonisten haben mich zwar noch länger beschäftigt, aber ein Buch das Autors ist mir erst Monate später über den Weg gelaufen – nachdem ich unwissentlich die reale Version des Winton’schen Australiens durchquert hatte. Die Schauplätze der meisten Romane finden sich im Südwesten Australiens, in etwa zwischen Perth und Esperance, wo Outback und Strand auf einander treffen. Hier passiert nicht viel, aber auch ein ereignisarmes Kaff wie das fiktionale Sawyer bietet menschliche Dramen. Die Kleinstadt, in der Breath spielt, kann unschwer als Denmark, WA identifiziert werden. Ich war in der Zwischenzeit nicht nur dort gewesen, sondern hatte auch Surfen gelernt – gleich zwei Gründe, mir das Buch zu leihen, als ich es zufällig im Bücherregal einer Freundin in Melbourne entdeckte. Den titelgebenden Atem verschlägt es nämlich dem Protagonisten und Erzähler, der den Reiz des Surfens gleich am Anfang des Romans bestechend einfach auf den Punkt bringt. Ich habe den Roman innerhalb von einem Tag verschlungen und seitdem fast alle Romane von Tim Winton gelesen. Je nach Thematik oder Ziel Deiner Reise interessiert Dich vielleicht eins seiner anderen Bücher mehr, aber wenn Du surfst – oder mit dem Gedanken spielst, es in Australien zum ersten Mal zu probieren – dann kann ich Dir Breath nur ans Herz legen.


Gut für: Ruhige Momente am Meer, am besten in Western Australia


Peter Carey, Illywhacker oder Mein Leben als Fälschung:
Peter Carey ist da schon etwas spezieller. Sein blumiger Stil und seine ausufernden Sagen sind bestimmt nicht jedermanns Sache. Die Sprache, die er in seinen Romanen verwendet, hat allerdings wirklich etwas sehr australisches und auch die Thematik seines Gesamtwerks ist in seiner Heimat verankert. Ich könnte an dieser Stelle genauso gut Oscar and Lucinda oder seine True History of the Kelly Gang empfehlen, die beide den Booker Prize  gewonnen haben. Illywhacker ist aber für mich die spannendere Lektüre. Der Erzähler, der sich gleich zu Beginn der Geschichte als Lügner outet, wurschtelt sich mit Tricks, Lug und Betrug durch die neuere australische Geschichte vom einen Ende des 20. Jahrhunderts zum anderen. Nach eigenen Angaben ist er 139 Jahre alt, als er auf sein Leben zurück blickt. Viele der beschriebenen Ereignisse sind fantastisch, magisch und unerklärlich, viele Protagonisten maßlos überzeichnet, doch genau das lässt ein Bild von Australien als Land der Möglichkeiten entstehen – nur dass die hier nicht unbegrenzt sind, sondern diktiert von einer harschen Natur, einer britisch geprägten Klassengesellschaft und dem unnachgiebigen Wind der Geschichte, der den Erzähler mehr als einmal umhaut.
Gut für: Immer mal wieder zwischendrin – dank kurzer Kapitel kann man gut ein- und aussteigen.
 

Mary Durack, Kings in Grass Castles: Diese Familiensage ist bestimmt nicht für jeden interessant, aber ich habe mir das Hörbuch besorgt, bevor ich mich auf die lange Reise ins tiefste Outback gemacht habe, um dort ein paar Tage den größten Vietrieb der australischen Geschichte zu begleiten. Der Chef-Drover (Cowboy) des ganzen Unterfangens hatte zu Protokoll gegeben, dass Patrick Durack eines der Vorbilder für die größenwahnsinnige Aktion war, also schien dessen Familiengeschichte (verfasst von Enkelin Mary Durack) eine gute Vorbereitung – und ein angenehmer Zeitvertreib – für den Trip. Die Geschichte des Viehbarons aus Irland, der Ende des 19. Jahrhunderts in Australien nicht nur Fuß fassen, sondern gemeinsam mit der Familie seiner Frau ein Imperium aufbauen konnte, ist der Stoff, aus dem Outback-Träume gemacht sind. Tatsächlich war es natürlich verdammt harte Arbeit. Je stärker die Ostküste besiedelt wurde, desto weiter drang Durack mit seinen Männern ins Landesinnere und schließlich bis in die Kimberleys vor. Seine Familie hat Patrick (Patsy) Durack immer nachgeholt, sobald eine neue Farm auch nur einigermaßen bewohnbar war, weswegen auch die Rolle der Frauen und Töchter in der Bewirtschaftung dieser für westliche Siedler lebensfeindlichen Region gut dokumentiert ist. Als ich später die Kimberleys durchquert habe (im Gegensatz zu Durack in einem Auto und – wenn auch ohne Klimaanlage – zumindest mit Zugang zu frischem Wasser, Kühlschränken und sonstigen Annehmlichkeiten, die das Leben dort einigermaßen erträglich machen) konnte ich mir immer noch nicht ansatzweise vorstellen, was die Menschen damals angetrieben haben muss, um sich in diese unerforschten Landesteile zu begeben. Auch wenn man heute fast nur die negativen Auswirkungen sieht, die die Viehhaltung auf die Landschaft hat, muss man Durack und seine Zeitgenossen doch für ihre Entschlossenheit bewundern.
Gut für: den langen Trek durch die Kimberleys – gern auch als Hörbuch, sobald der Radioempfang ausfällt.

Joan Lindsay, Picnic at Hanging Rock oder Picknick am Valentinstag: Der Film (Trailer siehe unten – auf Netflix in voller Länge!) ist zwar bekannter als das Buch, aber zumindest ein Klassiker muss sein. Gut, in Deutschland gehört weder Buch noch Film zum Kanon, aber in der englischsprachigen Welt haben dieser Mystery-Roman und seine Verfilmung das Bild von Australien fast so sehr geprägt wie Crocodile Dundee und A Cry in the Dark (der „Ein Dingo hat mein Baby gefressen“-Film). Heutzutage taucht vor allem die träumerische Ästhetik des Films immer wieder als modisch-nostalgisches Zitat auf.


Gut für: Heiße Sommertage in Melbourne, an denen man einen Ausflug zum Hanging Rock plant.

Falls Du Deine Bücher gern digital und kostenlos magst, dann wirst Du vielleicht bei Project Gutenberg fündig. Hier sind alle kostenlosen Bücher über Australien auf einen Blick. Ich hab keins davon gelesen, aber schau doch mal rein. Kost ja nix…

Auch sehr empfehlenswert: Diese kulturelle Karte von Australien zeigt, wo im Land sich die Schauplätze von Film, Literatur und anderen Werken finden lassen. Wenn Du also auf dem Weg in eine bestimmte Ecke von Australien bist, kannst Du anhand der Karte nachschauen, ob es ein Buch gibt, das von dem Ort handelt.

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