Owen Pallett nimmt uns mit auf eine Reise

Wenn wir uns ein Lied wünschen wollen, dann sollen wir ihm nicht den Song-Titel nennen, sondern ihm sagen, an welchen Ort wir mit der Musik reisen wollen. Er bringt uns dann hin, verspricht Owen Pallett. Dabei hat er uns schon auf eine Reise geschickt: nach Dachau (laut Owen ein Ort, dessen Name “sounds like a fish”) in die Friedenskirche.

Der lange Weg nach Dachau war bisher immer Grund genug, die Anreise zu den Konzerten, die in der Friedenskirche stattfinden, zu scheuen, aber für Owen Pallett machen wir mal eine Ausnahme (der frühere Final Fantasy Frontmann tritt inzwischen glücklicherweise unter seinem eigenen Namen auf, was mir in Zukunft so manche Unterhaltung ersparen wird, bei dem mein Gesprächspartner denkt, ich rede vom Computerspiel oder vom deutschen Trance-Act gleichen Namens).

Dass Konzert ist mindestens so virtuos und faszinierend wie sein letztes in München, wobei wir uns nicht einig wurden, ob die sakrale Atmosphäre in der Friedenskirche nicht ein wenig zu gut zum leicht pathetischen Sound passt. Beim letzten München-Konzert lieferte die Kellerstimmung in der Roten Sonne einen interessanten Kontrast zur Pop-Oper, vor der grandiosen Kirchen-Kulisse wurde sie fast ins Lächerliche überhöht.

Zum Glück liefert Owen Pallett die ironische Brechung immer wieder selbst und insgesamt ein ganz wunderbares Konzert, mit dieser schönen Zugabe. Read more…

Rammstein im Himmel der Bayern

Bierzeltstimmung beim Rammstein-Konzert.

Herrlich!

Und indem sie das Lied in der Folge in ihr Live-Programm aufnehmen, beweisen Rammstein mal wieder, dass sie sich nicht ganz so ernst nehmen, Wie manche glauben:

Flashbox flasht nicht so (Erobique dafür umso mehr)

Flashbox, der neue Club im hoffnungslosen Hypegefuchtel ums Sendlinger Tor, will die Clubszene im Viertel so richtig aufmischen. Die Flashbox soll “die Szene bereichern” und es soll – obacht, revolutionär – nicht nur ums “Tanzen, sondern auch verstärkt um Kunst und Kultur” gehen. Tatsächlich scheint es eher eine Zweite Liga zu werden, die den Gästeüberschuss der umliegenden Clubs abschöpfen wird. Damit die sich nicht an zu viel Neues gewöhnen müssen, sieht es aus wie nebenan: schick, modern, kalt und ungemütlich. Das Personal macht mangelnde Kompetenz mit hoher Attraktivität und niedrigem Alter wett.

Einziger Lichtblick ist die LED-Wand, die wir aber irgendwo schon mal gesehen haben…? Allerdings war es ein echt gute Idee, sie statt am Boden an die Wand zu montieren, denn gestern war sie genau die richtige Kulisse für den wunderbaren Auftritt von Erobique:

erobique live in München

erobique Flashbox München

erobique Flashbox live

Um die Effektivität der optischen Untermalung noch besser zu demonstrieren, hier das wahrhaft ergreifende Michael Jackson-Tribut von Erobique Read more…

Cocorosie live in München

Cocorosie waren am Sonntag in München, aber irgendwie hat es keiner mitbekommen? Und dann war das Konzert trotzdem ausverkauft? Keine Ahnung. Jedenfalls waren Cocorosie wie gehabt – zu gleichen Teilen enervierend, faszinierend, langatmig und kurzweilig, und gerade, wenn man denkt, dass es heute doch etwas langweilig wird, fängt es an, richtig Spaß zu machen.

Die Soundlieferanten Kinderspielzeug, Megaphon, Kettengerassel und was sonst noch so aus der Trickkiste gezaubert wird, gehören zwar schon zum Standardrepertoire, aber statt Beatboxer treten Bianca “Coco” und Sierra “Rosie” diesmal mit Drummer auf. Coco klingt noch mehr wie Nanny Fine als üblich und Rosie schmeißt sich mit Inbrunst und großer Gestik in die Rolle der dramatischen Chanteuse. Beide pflegen konsequent den Schwestern-Mythos: Sie sehen aus, als hätten Sie in Muttis Kleiderschrank oder der Faschingskiste gekramt und sich gegenseitig zum ersten Mal geschminkt; die an die Rückwand projizierten Bilder wirken eher wie eine Aneinanderreihung von Insider-Witzen als allgemein verständliche symbolische Songuntermahlung. Aber auch, wenn sich mir die visuelle Logik von Cocorosie-Konzerten nicht erschließt, überzeugt die Musik ganz für sich und der Spannungsbogen ist nach knapp zwei Stunden so gespannt, dass sich die zwei Zugaben gar nicht vermeiden lassen.

cocorosie-epOb die spontan erworbene EP (die nur auf der Tour käuflich zu erwerben ist) “Coconuts, Plenty of Junk Food” nur vom Titel, oder auch vom Inhalt her, lecker klingt, hat ein erstes Anhören nicht eindeutig ergeben. Bis zum nächsten Cocorosie-Konzert hab ich mich entschieden.

Rocky Horror Show – Lust auf Mitmachen?

Aus gegebenem Anlass weise ich darauf hin, dass ich praktischerweise schonmal vor geraumer Zeit Rocky Horror Show Kostümideen gesammelt hab.

Bitteschön!

I *Heart* Misheard Lyrics

Messies in den Kammerspielen, Kammerspiele im Schnee, Schnee ist total Messy

Festival vom Unsichtbaren Menschen, die Zweite. Das PeterLicht-Konzert zum Auftakt des Festivals in den Kammerspielen war natürlich toll, aber die anderen Veranstaltungen der Reihe? Was den geneigten Zuschauer wohl bei Datenstrudel, Spacebook oder My Personal Widerstandsjukebox erwartet, weiß man nicht so genau.

Ebenso undurchsichtig war die Ankündigung für Beide Messies. Das Programm verspricht: “Sie singen und bringen ekstatische Lieder, Tänze und Texte der Geistesgegenwart (auf hohem erotischem Niveau).” Na gut, dann schauen wir uns das mal an. Kost ja fast nix, Kulturförderung sei dank.

Fand das PeterLicht-Konzert noch in gediegener Jugendstil-Gemütlichkeit statt, gastieren die Messies gefühlt unterm Dach des Neuen Hauses, in einem großzügigen, wunderschön beleuchteten Raum. Und was machen die da so? Wie angekündigt: singen, tanzen, performen. Ein bisschen wie PeterLicht, nur mit mehr Ausdruckstanz und weniger von dem, was man als “schöne” Melodien bezeichnen würde. Der Kurator höchstselbst war auch im Publikum und hat meine Theorie betreffs seiner Identität bestätigt. Vielleicht.

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Beide Messies sind nicht durchgehend großartig, haben aber ihre Momente. Read more…

Wunschdenken bei der Zombocombo…

…da war nämlich am Freitag schon Sommer und die Sonne knallte von der Decke der Registratur.

zombocombo-sommer

Sonnenschirme, Strandliegen und für meinen Geschmack ein paar freie Oberkörper zu viel komplettierten den Cluburlaubs-Look. A propos Cluburlaub: Read more…

Unsichtbar in den Kammerspielen

Morgen beginnt in den Münchner Kammerspielen das Festival vom Unsichtbaren Menschen mit einem Konzert von PeterLicht. Nach Schorsch Kamerun hat sich das Theater jetzt den nächsten Held der popkulturellen Ironie ins Haus geholt. Der macht jetzt einen guten Monat lang so ziemlich alles, was er will:

peterlicht-kammerspiele1Auf das Eröffnungskonzert (längst ausverkauft) folgt gemeinschaftliches Möbelrücken, Pyjamaparties, Jesuitenpredigten, es sollen gänzlich unbekannte Musiker – was wir erstmal bezweifeln – vorgestellt werden und dann gibt’s noch jede Menge Social Networking/Suchmaschinen-Mitmach-Experimente, die entweder sehr lustig sein könnten oder gnadenlos scheitern werden. Read more…

Munich ist the greatest HipHop city in the motherfuckin world….

…sprach Chuck D (ich paraphrasiere) und sogar die größten HipHop-Fans Münchens haben kurz gezögert: “Echt jetzt, Chuck? Im Ernst? München?” Aber wer so schamlos um die Gunst des Publikums buhlt, der bekommt sie auch, also haben sich einfach alle gefreut, dass sie in so einer verdammt phatten Stadt wohnen und das Public Enemy Konzert konnte losgehen.

flavaflavmunchen

(für die jüngeren Leser: Public Enemy ist eine Art Nebenprojekt von Flava Flav, bei dem er gelegentlich Musik macht, wenn er nicht damit beschäftigt ist, auf MTV unter mehreren Frauen mit dem IQ eines feuchten Tampons die “Liebe” “seines” “Lebens” auszusuchen).

Um das 20jährige Jubiläum der Ersterscheinung ihres Albums “It Takes a Nation of Millions to Hold us Back” zu feiern (und um uns dran zu erinnern, wie verdammt alt wir alle sind) haben Public Enemy einfach mal das ganze Album runtergespielt. Auch wenn man für den schlecht abgemischten Sound, die sträflich vernachlässigte Liveband, die tiefen Griffe in die Klischeekiste und den bereits angesprochenen Hang zur Publikumsanbiederei Abstriche macht, war es ein fantastisches Konzert, das uns erinnert hat, warum

flavaflavmunchenlive1.  sich wirklich jeder Musikfan jenseits der 25 mit einem feuchten Auge an Public Enemy erinnert und

2. sich immer noch und immer wieder Menschen für Flava Flav interessieren.

Der Mann macht zwar modisch keine Experimente (Superman-Tee, Baggy Pants, Cap, Küchenuhr und gut is), hat dafür Bühnenpräsenz, Spaß an der Sache, und hat mit der grenzdebilen gleichnamigen Figur aus Flavor of Love so wenig gemeinsam, dass man mal wieder eindrucksvoll erinnert wird, dass “Reality TV” mit Realität ungefähr so viel zu tun hat wie DSDS mit Superstars.

Er lässt sich auch noch auf eine absurde Diskussion mit dem Publikum über das P1 als Veranstaltungsort der After Show Party ein (wenig beliebt beim Backstage-Publikum, wer hätte das gedacht?) und verabschiedet sich mit ein paar Platitüden (George Bush ist böse, Frieden ist gut, Rassismus ist scheiße), aber die alten Platitüden sind halt immer noch die besten. Seht selbst…